Mein großes Projekt für dieses Jahr war die Teilnahme beim Tor des Géants in Italien. Nachdem ich viele Jahre eher auf eigene Faust in den Alpen gelaufen bin, war es wieder einmal ein Ausflug in die Welt der organisierten Rennen. Ein großes Abenteuer, das ich sehr genossen habe! 205 km und ca. 12.000 Höhenmeter konnte ich absolvieren. Dann hat mir mein linkes Knie klar signalisiert, dass es jetzt besser wäre, aufzuhören. Ich kann also nicht zur kompletten Strecke mein Feedback geben. Aber ich möchte in ein paar Beiträgen hier im Blog verschiedene Aspekte zu diesem wundervollen Lauf aufgreifen und meine Eindrücke schildern.

Den Anfang mache ich mit dem Thema Schuhe. Wenn du ein erfahrener Ultraläufer bist, ist da evtl. nicht viel Neues dabei. Gerne kannst du mir über eine Email, oder eine Nachricht in Facebook deine Meinung mitteilen.

Für mich war sehr lehrreich, dass ich im Training bis zu 8 Stunden eigentlich mit jedem Schuh gut laufen kann. Bei kürzeren Läufen habe ich sowieso nie Probleme. Nach 8 bis 10 Stunden musste ich jedoch feststellen, dass alle meine Schuhe irgendeine Schwäche haben. Das galt ganz besonders, wenn technische Downhills dabei waren. So habe ich die letzten Wochen noch viele Schuhe getestet, aber 100% glücklich war ich mit keinem Kandidaten.

Eigentlich liebe ich meine Altra Lone Peaks 3.0 und ich laufe diese bzw. das Vorgängermodell schon sehr lange. Nach den ganz langen Trainingseinheiten mit viel Bergab, musste ich jedoch feststellen, dass meine Füße einfach zu viel Bewegungsfreiheit haben. Zudem wurde meine Achillessehne stark beansprucht. Auch in Sachen Grip ist der Lone Peak gut, aber eben nicht perfekt. Es musste also eine Alternative her. Mein erster Versuch war der La Sportiva Akasha. Der erste Eindruck war perfekt. Toller Grip, ausreichend Dämpfung und guter Halt im Schuh, trotzt großzügiger Zehenfreiheit. Allerdings habe ich es geschafft, mir bei meinem ersten langen Lauf Blasen innen und außen an der Ferste zu holen. Für mich eine völlig neue Erfahrung ... Aber man lernt ja nie aus. Ich habe den Akasha dann über mehrere Wochen immer wieder getestet. Und das Problem blieb bestehen. Einer meiner bequemsten Schuhe ist der Topo Athletic Terraventure. Aber hier schien mir der Grip für hochalpine Strecken nicht ausreichend und die Dämpfung grenzwertig. Mein letzter Test war ein neuer La Sportiva Bushido. Da mein alter Bushido mir bei technischen Strecken immer den besten Halt gegeben hat und dieser einen sehr guten Grip hat.

Dann war da noch die Frage nach der Wasserdichtigkeit. Beim Tor des Géants gibt es immer wieder Schlechtwettertage. Sollte ich da einen Schuh mit Membrane nehmen? Mein Favorit ist hier der inov-8 roclite 282 GTX. Leicht, ausreichend Sprenung, genialer Grip. Vielleicht etwas wenig Dämpfung. Aber egal, eingepackt. Und einen Lone Peak Neoshell gleich noch mit.

So bin ich dann nach Courmayeur gereist. Mit jeder Menge an Schuhen und etwas unsicher. Für weitere Experimente war es zu spät. Ich habe mich schließlich entschieden, in meinen Laufrucksack immer ein zweites Paar Schuhe mit zu nehmen. Zwei weitere Paar Schuhe waren in der Drop Bag, die man immer wieder an den "Life Bases" bekommet. Was ich so beobachten konnte, war ich mit extra Schuhen im Laufrucksack eher eine Ausnahme. Für meinen ersten Start beim Tor war es für mich aber goldrichtig. Denn ich habe meinen Akasha eine "letzte Chance" gegeben und bin mit diesen Schuhen gestartet. Und, was soll ich sagen, nach 4 Stunden meldeten sich die alten Problemstellen wieder. Also, schnell auf den roclite 282 GTX gewechselt.

Ich habe im weiteren Verlauf noch meinen Bushido und den Lone Peak im Einsatz gehabt. Die meisten Kilometer bin ich tatsächich mit dem roclite 282 GTX gelaufen. Zwar hat das dazu geführt, dass meine Fußballen gut beansprucht waren, aber insgesamt waren meine Füße nach 205 km in einem sehr guten Zustand. Keine nennenswerten Blasen, keine blauen Zehen. Der Preis dafür war das extra Gewicht und immer wieder etwas Zeitverlust beim Schuhwechsel.

Beim nächsten Versuch - und den wird es hoffentlich geben - werde ich schon früher ganz lange Trainingsläufe machen. So finde ich hoffentlich einen Schuh, mit dem ich 24 Stunden über die Runden komme, ohne einen Wechsel zu brauchen. Die Frage ist natürlich auch, ob ich mehr Dämpfung brauche? Ich war bergab klar zu langsam und vielleicht waren die roclite 282 GTX zu wenig für mein Knie? Gleichzeitig war schon auffällig, wie viele Hokas (vor allem Mafate Speed) im schönen Aosta Tal am Start waren. Insofern werde ich das sicher einmal testen. Und ich werde zudem in Sachen Schuhgröße experimentieren. Denn für dieses Jahr habe ich bei einigen Schuhen eine halbe Nummer größer genommen als normal. Ich hatte aber den Eindruck, dass meine Füße nicht anschwellen und mit kleineren Schuhe bzw. meiner normalen Größe habe ich besseren Halt.

Ein Tipp in Sachen Füße sind jedem Fall die Socken von Wrightsock. Ich bin mir sicher, dass ich im Training und beim Rennen mehr Probleme mit Blasen bekommen hätte, wenn ich die doppellagigen Socken von Wrightsock nicht dabei gehabt hätte. Die Socken des amerikanischen Herstellers sind daher auch in Zukunft meine erste Wahl.